Tagesausflug Warappa Creek und Bakkie

Mittwoch und Donnerstag habe ich mir ein bisschen meine Umgebung und die Innenstadt angeschaut. Ich dachte, es sei interessant mal an einer Stadtführung teilzunehmen, damit ich die Gebäude und die vielen Statuen die hier stehen, nicht nur anschauen kann, sondern auch etwas über die Hintergründe erfahre. Ich habe mich also zu einer Tour-Agentur begeben. Dort konnte mir allerdings erst eine Stadtführung für Montag angeboten werden, aber da fange ich ja an zu arbeiten. Also habe ich mich kurzfristig für den nächsten Tag bei der Tour angemeldet, die auf jeden Fall stattfinden sollte, ohne zu wissen, wo es eigentlich genau hingeht. Ich wusste nur, dass halt auch ein Besuch auf einer ehemaligen Plantage dabei sein sollte, wie eigentlich bei einem Großteil der Touren, die hier angeboten werden. Denn während der Kolonialzeit haben die Niederländer in Suriname viele Plantagen betrieben, auf denen unter anderem Zuckerrohr und Kaffee angebaut wurde. Auf den Plantagen mussten Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten.

Samstag früh ging es bei einem Hotel in der Nähe los. Nach über einer Stunde mit dem Bus sind wir auf Boote umgestiegen und nochmal über eine Stunde über den Commewijne Fluss gefahren. Die Boote waren zum Glück überdacht, sodass die Sonne nicht direkt auf uns geknallt hat. Durch den Fahrtwind wurde es teilweise sogar relativ frisch.

Auf der Plantage Bakkie angekommen bekamen wir erstmal eine Führung im hauseigenen Museum. Die Besitzer haben die Plantage vor einigen Jahren gekauft, um Touren an Touristen aber auch an Einheimische anzubieten. Auf der Plantage gibt es auch drei kleine Hütten, in denen man übernachten kann. Im Museum gab es einige Fundstücke aus der Gegend, wie alte gut erhaltene Glasflaschen oder Folterinstrumente, die zum Bestrafen der Sklaven genutzt wurden. Außerdem gab es einige originale Schriften Zeichnungen. Anschließend bekamen wir eine Führung durch den Garten, der von den Besitzern angelegt wurde und den sie nutzen, um ihre Gäste zu versorgen. Dort wuchsen unterschiedlichste Pflanzen. Es gab Mangos, Kaffee, Kakao und eine Menge einheimischer Arten, die ich mir nicht alle merken konnte.

Zum Mittagessen bekamen wir dementsprechend super leckeres Essen. Eine Saoto Suppe, die ursprünglich von der indonesischen Insel Java kommt und von dort im 19. Jahrhundert mit den Vertragsarbeitern nach Suriname kam. Als Hauptgericht gab es Reis, Kürbis und Fisch mit Chilisoße. Der Fisch hat gar nicht nach Fisch geschmeckt, wir dachten alle, dass es, wie meistens hier, Hähnchen sei. Aber wir haben eine Gräte gefunden, es muss also wohl doch Fisch gewesen sein.

Frisch gestärkt ging es nach dem Essen wieder zurück aufs Boot und auf den Warappa Creek, einen kleinen Flusslauf. Die Hälfte davon wurde vor einigen Hundert Jahren von Sklaven per Hand ausgegraben (etwa 4,5 Kilometer). Auf beiden Seiten des Flusses gab es viele Plantagen. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Hochzeit der Plantagen schon lange vorbei, sodass viele verlassen wurden. Es gab jedoch ein Gesetz, dass keine Häuser leerstehend zurückgelassen werden dürfen, damit sich dort keine geflüchteten Sklaven niederlassen können. Daher wurden alle (Holz-)Häuser abgebaut und oft an anderen Stellen in Suriname wieder aufgebaut. Es sind aber auf jeden Fall keine Gebäude zurück geblieben. Trotzdem kann man noch Spuren der Plantagen erkennen. So standen teilweise noch die gemauerten Eingänge zu den Plantagen, da es keine Häuser waren. An manchen Stellen konnte man Reihen von Kakteen sehen, die dort als natürlicher Stacheldraht gepflanzt wurden, damit die Sklaven nicht fliehen konnten. Besonders beeindruckend fand ich außerdem die Überbleibsel einer ehemaligen Zuckerfabrik. Die Häuser wurden abgebaut und die Maschinen einfach im Dschungel zurückgelassen. Heute hat sich die Natur diesen Teil wieder zurückerobert. Auch der Warappa Creek, auf dem wir gefahren sind, wurde wieder von der Natur übernommen. Die Besitzer der Plantage haben ihn in den letzten Jahren wieder freigelegt und befahrbar gemacht.

Auf dem Rückweg haben wir noch kurz auf Bakkie gestoppt und noch Kleinigkeiten für die Rückfahrt mitgenommen. Wir bekammen Zuckerrohr zum probieren und Dokun, eine Süßspeise aus unter anderem Maniokwurzel, Zucker, Kokos, Zimt und Rosinen eingewickelt in ein Bananenblatt. Super lecker und super klebrig.

Auf dem Wasser ging es dann zurück zum Bus und damit zurück in die Stadt. Der Ausflug war super. Man hat gemerkt, wie viel Spaß es den Besitzern gemacht hat Touristen die Geschichte von Suriname näher zu bringen. Jetzt ist die Latte für die nächsten Ausflüge auf jeden Fall schon hoch gelegt 🙂

 

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